Papier und Umwelt – wie nachhaltig sind Anzeigenblätter?

Printprodukte aus Papier und Umwelt – Info

Gedruckte Anzeigenblätter sind nicht ökologisch und ressourcenverschwendend, so die weit verbreitete Annahme. Doch wie verhält es sich mit der Umweltverträglichkeit von Papier und Printprodukten? Und sind digitale Medien besser für die Umwelt?

Anzeigenblätter im Umweltcheck: Fakten zum Rohstoff Papier

Zeitungen und damit auch Anzeigenblätter werden auf Papier gedruckt. Aufgrund des hohen Papierbedarfs bei der Herstellung stehen Printprodukte vielfach in der Kritik, für die Abholzung der Wälder mitverantwortlich zu sein und zu einer schlechten CO2-Bilanz beizutragen. Doch eine detaillierte und differenzierte Betrachtung lohnt sich an dieser Stelle.

Der Rohstoff Papier hat das Potenzial zur Nachhaltigkeit

Papier kann als wirklich nachhaltiges Medium angesehen werden, denn es basiert auf Holz, einem wiederverwertbaren und vollständig erneuerbaren Material. Voraussetzung ist, dass Wälder so bewirtschaftet werden, dass ihre vielfältigen Funktionen für die Artenvielfalt, das Klima, das Grundwasser etc. möglichst vollständig erhalten bleiben. Dann können die Wälder einen wertvollen Beitrag zum umweltfreundlichen Wirtschaften leisten. Gute Orientierung bieten der Blaue Engel für Recyclingpapier oder das FSC®-Zertifikat (Forest Stewardship Council) für Frischfaserprodukte.

Papier ist ein wertvolles Produkt, das nicht verschwendet werden sollte

Weltweit wird der Nutzungsdruck auf die Wälder immer größer. Das liegt am global ständig wachsenden Papierhunger genauso wie an anderen Nutzungsformen wie Energie oder Holzindustrie. Nur wenn die Wälder nicht übernutzt werden, bleiben Sie mit ihren vielfältigen Funktionen für das Klima, den Artenschutz, den Wasserkreislauf sowie als Luftfilter oder auch als Naherholung erhalten. Für die Papierherstellung wird viel Energie verbraucht und daher sollte Papier nur dann und dort verwendet werden, wo es einen Nutzen hat. Ungewollte Werbung ist eine Form der Papierverschwendung. Diese kann und sollte durch gezielte Wege vermieden werden.

Die europäische Papierindustrie sorgt sich um die Umwelt

Die Rohstoffe für die europäische Papierindustrie stammen überwiegend aus kontrollierten, rückverfolgbaren und nachhaltigen Quellen und mehr als 80 Prozent aller Zellstoffe kommen aus Europa selbst. In einem Fahrplan haben die Europäischen Papierhersteller ihre Ziele bis 2050 formuliert. So besteht beispielsweise ein Ziel darin, die industriellen CO2-Emissionen bis 2050 um 80 Prozent gegenüber 1990 zu verringern.

Papierrecycling: Anzeigenblätter setzen auf Altpapier

Papier kann ein nachhaltiges Produkt sein. Papier kann theoretisch bis zu sieben Mal wiederverwertet werden. Recycling-Papier wird aus Altpapier gewonnen. Helfen Sie daher mit und führen Sie alle recyclingfähigen Papierprodukte dem Recyclingkreislauf zu, z. B. über die Blaue Tonne der Haussammlung. Dementsprechend trägt Papierrecycling erheblich zur Ressourcenschonung und zum Umweltschutz bei. Gegenüber Frischfaserpapier werden bei der Herstellung von Recyclingpapier bis zu 60 Prozent Energie, bis zu 70 Prozent Wasser sowie CO2-Emissionen und Abfall eingespart. Und in Deutschland setzte die Papierindustrie im Jahr 2015 bereits 74 Prozent Altpapier ein, so die Zahlen des Umweltbundesamtes. Zeitungen und Anzeigenblätter werden in der Regel zu fast 100 Prozent aus Altpapier hergestellt. Bei vielen Anzeigenblatt-Titeln finden Sie einen entsprechenden Hinweis zur Verwendung von Umweltpapier beispielsweise im Impressum: „Zur Herstellung dieser Ausgabe wird Recycling-Papier verwendet.“ Weitere Orientierung bietet auch hier der Blaue Engel. Darüber hinaus werden derzeit Anstrengungen unternommen, umweltfreundlichere Druckfarben für Zeitungen zu testen, damit der Eintrag von Mineralöl in den Recyclingkreislauf verringert werden kann.

Die Selbstverpflichtung der Industrie

Verlegerverbände, Papier- und Druckindustrie haben sich im Jahr 1994 mit dem damaligen Bundesumweltminister auf eine Selbstverpflichtung zur Verwertung grafischer Papierprodukte geeinigt. Grafische Papierprodukte, wie Druckerzeugnisse und Büropapiere, stellen neben Verpackungen aus Papier die mengenmäßig wichtigste Gruppe von Papiererzeugnissen dar. Die stoffliche Verwertung grafischer Altpapiere konnte kontinuierlich gesteigert werden, die Wiederverwertungsquote liegt mittlerweile bei 80 Prozent.

Print- versus digitale Medien: Welche Kommunikationsart ist nachhaltiger?

Angesichts des Papierverbrauchs zur Herstellung von Zeitungen und Anzeigenblättern gelten elektronische Medien vielfach als umweltfreundlicher. Doch auch die elektronischen Medien haben einen oft unterschätzten ökologischen Fußabdruck. So müssen für die Hardware Bodenschätze, wie seltene Erden, abgebaut werden und für die Aufrechterhaltung des WWW werden beachtliche Mengen Energie verbraucht. Aufgrund der Unterschiedlichkeit fällt ein direkter Vergleich schwer, klar ist aber, dass es kein „Schwarz/Weiß“ gibt. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt hat beispielsweise errechnet, dass für das Internet in der Schweiz pro Jahr etwa 4,6 Terawattstunden benötigt werden. Das sind rund 8 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs. Google verbraucht nach eigenen Angaben kontinuierlich 260 Millionen Watt, was dem Stromverbrauch einer Stadt mit 200.000 Haushalten entspricht. Letztendlich ist es wichtig, mit allen Medien verantwortungsvoll umzugehen. Das bedeutet zum Beispiel, Papierverschwendung zu vermeiden und elektronische Medien auszuschalten, wenn sie nicht benötigt werden.

Papierrecycling: So entsorgen Sie Anzeigenblätter richtig

Der ökologische Fußabdruck, der mit der Lektüre von Anzeigenblättern einhergeht, wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Damit dieser bestmöglich ausfällt, sind auch Sie als Leser gefragt: Entsorgen Sie gedruckte Anzeigenblätter und Regionalanzeiger stets im Papiermüll. So stellen Sie sicher, dass die Papierfasern wiederverwertet können und somit Wälder geschont und Energie gespart werden.

Papiervision der Umweltorganisationen

Die Umweltorganisationen der Welt haben ihre Vision für die Zukunft des Papiers in einer gemeinsamen Vision, der „Global Paper Vision“ zusammengefasst. Vereinfacht umfasst die Vision die Kernpunkte:
• Papier einsparen/Papierverschwendung vermeiden
• Papierrecycling ausbauen
• Sichere Herkunft des Holzes bei Frischfaserpapieren – mindestens FSC-zertifiziert
• Saubere Produktion (Verzicht auf schädliche Chemikalien wie Chlor, CO2-Verringerung etc.)

Weiterführende Informationen:
Globale Vision für Nachhaltigkeit in Papierkonsum und -wirtschaft
#WhatsInYourPaper – Youtube-Kanal des Environmental Paper Network
Weitere Informationen des WWF zum Thema Papier finden Sie hier.